Zwei methodische Ansätze musiktherapeutischer Praxis

www.randi-coray.ch

Projekt: World Network of Singing Children

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Weiterbildung für MusiktherapeutInnen in einer fortlaufenden Gruppe zwei mal jährlich ein Wochenende.

Musiktherapie und Focusing: Randi Coray

Die Methode des Focusing wurde von Eugene Gendlin entwickelt. In dieser Methode wendet man die Aufmerksamkeit dem eigenen Körper zu. Der Körper hat seine eigene Weisheit,mit der er gehört werden möchte. Meist sind wir so sehr auf unser Handeln ausgerichtet, dass uns die Botschaften des Körpers störend oder belästigend erscheinen.

Im Focusing lernen wir, die Körperbotschaften wahrzunehmen und offen zu sein fÜr das, was sich im gegenwärtigen Moment zeigt. Wir nehmen uns Zeit und versuchen, mit dem zu sein, was ist. Es können innere Bilder, Körperreaktionen, Gefühle u.ä. aufsteigen. Die verschiedenen Aspekte in ihrer Gesamtheit lösen ein deutlich wahrnehmbares Körpergefühl aus. Dieses aus dem tieferen Schichten aufsteigende Körpergefühl bezeichnet Gendlin als „felt sense“. Bis hierher hat der Musiktherapeut den Klienten verbal begleitet.

Jetzt verhilft die Frage „Wie klingt das Ganze?“ dazu, im Inneren aus dem „felt sense“ einen Klang wahrzunehmen. Wir gehen dem inneren Klang nach und suchen ein Instrument, welches diesen Klang widerspiegelt und zum Ausdruck bringt. Danach bearbeiten wir den Prozess weiter mit musiktherapeutischen Methoden, können aber immer wieder zum Focusing zurückkehren. Wir werden diese Therapieform durch Fallbeispiele, durch praktische Übungen, Selbsterfahrung, Analyse und Reflexion kennen lernen.

Polaritätsverhältnisse in der Improvisation: Martin Deuter

Die musikalischen Interaktionen zwischen Patienten und Therapeuten stehen im Mittelpunkt musiktherapeutischer Diagnostik, Behandlung und Begegnung. Vor allem in der gemeinsamen Improvisation zeigt es sich, wie die Patienten ihre Welt organisieren und ihre Beziehungen gestalten. Wie die Dinge erscheinen und vergehen, wie sie sich verdeutlichen oder vereinheitlichen, wie wir sie verbinden und lösen, wird in der Vielfalt der musikalischen Mittel erfahrbar.

Auch nach langjähriger Erfahrung bleibt für Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten die Frage interessant, wie sich die Musik jeweils in Verbindung bringen lässt mit der psychologischen Bedeutung. Den Zusammenhang zwischen musikalischer Stofflichkeit und seelischer Anmutung gilt es immer wieder neu zu erforschen. Mit der hier vorgestellten Systematik erschliesst sich eine neue und erweiterte Verbindung zwischen intuitivem Verständnis und der sprachlichen Benennung der musikalischen Beziehungsfiguren.

Die Bewegungen, denen wir in den musikalischen und seelischen „Produktionen“ der Patienten begegnen, werden in dieser Systematik als Polaritätsbewegungen aufgefasst, als sich ergänzende Gegensatzeinheiten. Für die therapeutische Praxis ergibt sich daraus eine Bereicherung der Wahrnehmungs- und Handlungsfähigkeiten.

Die Systematik der Polaritätsverhältnisse wird hauptsächlich in der praktischen Erkundung erfahren. In Übungen und Experimenten wird die Musik in ihrer klanglichen, melodischen und rhythmischen Dimension erforscht. Diese Erfahrungen lassen sich mit der unterschiedlichen musiktherapeutischen Praxis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verknüpfen.

Randi Coray

Musiktherapeutin SFMT in Freier Praxis. Lehrmusiktherapeutin
Musiktherapieausbildung in Wien
Berufserfahrung in der Psychiatrie, mit suchtkranken Frauen und mit Geistig Behinderten
Dozentin und Mitarbeiterin im ERM Ecole Romande de Musicothérapie Genf
Gastdozentin im bam berufsbegleitende ausbildung musiktherapie Zürich
Weiterbildung in Focusing: Focusing- Lehrtherapie, Seminare bei Eugene Gendlin und Ann Weisser.

Martin Deuter

Musiktherapeut BVM, Psychotherapie HPG.
Weiterbildung in Morphologischer Musiktherapie.
Langjährige klinische musiktherapeutische Tätigkeit in Psychiatrie und Psychosomatik
Dozent im Masterstudiengang Musiktherapie an der Fachhochschule Frankfurt a.M.
Gastdozent im Masterstudiengang Musiktherapie der Zürcher Hochschule der Künste (bam) und im Ausbildungsgang des FMWS. Lehrtherapie, Supervision
Doktorand am Institut für Musiktherapie der Staatl. Hochschule für Musik, Hamburg